Wirtschaftliches Umfeld, Nachfrage- und Preisentwicklung

 

3. Wirtschaftliches Umfeld, Nachfrage- und Preisentwicklung1)

Die Weltwirtschaft erholt sich allmählich von der Krise. Dies ist in erster Linie der stark expansiven Geld- und Fiskalpolitik zuzuschreiben. Die Aufwärtstendenz zeigt sich insbesondere in der Entwicklung des realen Welthandels, der nach dem scharfen Einbruch im Herbst 2008 seit dem Sommer 2009 wieder wächst.

Infolge der schwersten Rezession seit der „Großen Depression“ keimte die Angst vor einer Deflation auf. Der gegenüber dem Vorjahr starke Rückgang der Inflationsrate war jedoch nicht auf Preissenkungen in vielen verschiedenen Gütergruppen zurückzuführen, sondern nach dem Platzen der Rohstoffpreisblase im Sommer 2008 in erster Linie auf den Verfall der Preise von Mineralölprodukten. Gemessen an der Inflationsrate ist weder für die USA noch für den Euro-Raum eine Deflation festzustellen.

Die österreichische Wirtschaft schrumpfte im Jahr 2009 real um 3,4 Prozent, etwas weniger stark als im Durchschnitt des Euro-Raumes (-3,9 Prozent). Mitte 2009 setzte, getragen von der weltweit expansiven Wirtschaftspolitik, eine Trendwende ein, die den Warenexport und die Sachgütererzeugung erfasste. Die Erholung wird sich in den kommenden Monaten fortsetzen und 2010 in einem Wachstum des BIP um 1,5 Prozent auswirken. Allerdings kommt aufgrund der niedrigen Kapazitätsauslastung kein Investitionsaufschwung in Gang. Dies trägt dazu bei, dass die Arbeitslosenquote weiter steigt. Der Finanzierungssaldo des Staates verschlechtert sich auf etwa -5 Prozent des BIP.

Die Arbeitslosenquote lag mit 5 Prozent2) der Erwerbstätigen über dem Vorjahreswert von 3,8 Prozent. Nach einem Einbruch auf dem Arbeitsmarkt seit Mitte 2008 stabilisierte sich die Beschäftigung im Herbst. Die Zahl der Arbeitslosen stieg weiter, wenn auch langsamer als im 1. Halbjahr 2009.

Im Jahr 2009 lag die Inflation (VPI) durchschnittlich bei 0,5 Prozent und wies damit den niedrigsten Wert seit 1953 auf. Hauptverantwortlich war, bei sonst sehr geringer Preisdynamik, die Entwicklung der Treibstoff- und Heizölpreise, die in den ersten elf Monaten des Jahres 2009 deutlich unter dem Vorjahresniveau lagen und die Inflation um 0,8 Prozentpunkte dämpften.

Für Dezember 2009 betrug die Inflationsrate im Jahresabstand 1 Prozent und erreichte mit diesem Anstieg (November 0,7 Prozent, Oktober 0,2 Prozent) etwa das Niveau des 1. Quartals 2009. Ausgewirkt haben sich hier vorwiegend die Ausgaben für Wohnen (durchschnittlich +2,4 Prozent) sowie die Treibstoffpreise, deren Jahresveränderungsraten trotz aktuell leicht fallender Preistendenz um 10 Prozent über dem Dezemberniveau des Vorjahres lagen.

In der Bauwirtschaft lag der Produktionswert von Jänner bis Juli rund 5 Prozent unter dem Vorjahreswert. Im 3. Quartal wuchs die Wertschöpfung laut vorläufiger Rechnung gegenüber dem Vorquartal saisonbereinigt real um 2 Prozent.

Der Ausblick: Die Auswirkungen der internationalen Finanzmarktkrise dämpfen das Wirtschaftswachstum in Österreich mittelfristig. Das Bruttoinlandsprodukt wird von 2010 bis 2014 real um durchschnittlich 1,8 Prozent pro Jahr expandieren. Auf den Arbeitsmarkt und die öffentlichen Haushalte wirkt die Rezession noch längere Zeit nach. Die Inflationsrate wird dagegen niedrig bleiben. Die Prognose nimmt an, dass nach Überwindung der Krise ab dem Jahr 2011 Maßnahmen zur Konsolidierung der öffentlichen Haushalte gesetzt werden.

Entwicklung Tourismus

Wien ist in den letzten Jahren zur Kongressstadt avanciert, analog dazu wurde eine kontinuierliche Steigerung der Nächtigungszahlen festgestellt. 2009 sind diese Nächtigungszahlen allerdings aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise eingebrochen, dies macht sich in einem leichten Nachfragerückgang der Wien-Karte bemerkbar.

Balkendiagramm: Vergleich ausgestellte Tourismuskarten und Nächtigungen in Wien in Tsd.

Dennoch ist die Wien-Karte bei den Touristen weiterhin ein gern angenommenes Fahrausweisangebot. Die Anzahl der ausgestellten Kongressnetzkarten konnte 2009 wieder deutlich gesteigert werden.

Die Anbindung des öffentlichen Verkehrs und die einfache Abwicklung des Ticketkaufs sind laut Tourismusverband wichtige Aspekte, den Standort Wien als Kongressveranstalter zu wählen.

 

1) Quellen: WIFO (Stand 1.2.2010)
2) Quelle: WIFO – Arbeitslosenquote, standardisiert – Prognose (Herbst 2009)

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